Eingangsbereich, Blick in die Druckerei

Historisches Handwerk hautnah erlebt

Er hat mit seiner Druckerpresse die Welt verändert. Vor seiner Erfindung des Buchdruckes mit beweglichen Lettern mussten alle Bücher mit der Hand abgeschrieben werden, so dass sie nur in die Hände der Gebildeten, der Wissenschaftler und Lateinkundigen gelangten. Johannes Gensfleisch, genannt Gutenberg, der Mainzer Patriziersohn stellte die Weichen für eine aufgeklärte Zeit mit Büchern, die jedem Menschen zugänglich waren. Nach dieser revolutionären Erfindung ging es steil bergauf mit dem Buchdruckerhandwerk. 

    
Schaukasten mit Handwerksgeräten des Schriftsetzers
und Bücher in Leder- und Pergament gebunden und handgeschöpften Büttenpapier

     
Schaukasten mit Handwerksgeräten des Buchdruckers und in Holz eingebundene große Seemannsbibel

Einer der Nachkommen von Johannes Gutenberg, die zwar erst etwa 6 Jahrhunderte später zum Zuge kamen, ist wohl der Druckermeister Manfred Schöne, der das Schriftsetzer und Buchdruckerhandwerk erlernt hat (auch Schweizer Degen genannt). Er hat heute zwei kleine moderne Familienbetriebe - mit Sitz in Zschopau und Grünhainichen - betreibt. Seine Ausbildung fällt in jene Zeit, in der Lehrlinge das Handwerk der schwarzen Zunft noch von der Pike auf lernten und somit in der Lage waren, jeden Typ von Druck- und Setzmaschinen zu bedienen.


Nachbau einer Original Gutenbergpresse
Der Erfinder der Buchdrucker-Kunst, Johannes Gutenberg,
hat mit dieser Presse um 1450 die ersten Drucke hergestellt.

Als Manfred Schöne nach der Wende seinen Betrieb einer Modernisierung unterzog, wusste niemand so recht: Wohin mit den altgedienten Maschinen, die zwar inzwischen Seltenheitswert besitzen, doch auf einmal überflüssig waren. 


Bleisetzmaschine "Typograph" von 1918 mit Bleigießformen und Matrizensätzen,
original erhalten und noch immer voll funktionsfähig.
Im Hintergrund Blick auf die Setzregale, alle mit original Lettern gefüllt.

Und weil das Problem gerade zu der Zeit stand, als sich die Zschopauer Gewerbetreibenden darüber Gedanken machten, wie das Schloß Wildeck künftig für Besucher noch attraktiver gestaltet werden könnte, hatte der Buchdruckermeister die Idee, um seine Maschinen für die Nachwelt zu erhalten. Kurzentschlossen stellte er sie sozusagen als Dauerleihgabe der Stadt Zschopau zur Verfügung. 


Buchdruck-Zylinderdruckmaschine von 1921 für Papierformat 50x70cm

 

Damit waren die Weichen für die Etablierung eines Buchdruck-Museums mit Schauwerkstatt gestellt. Die Eröffnung erfolgte übrigens anlässlich des 3. Zschopauer Schloß- und Schützenfestes im Sommer 1997. Seit 1993 standen bereits erste Maschinen als Ausstellungsstücke im Schloß.


Heidelberger Buchdrucktigel von 1921

Auf anfangs etwa 30 Quadratmetern Ausstellungsfläche präsentierte sich hier alte Technik, die weit und breit ihresgleichen sucht. Einige der gezeigten Maschinen und Geräte versahen ihren Dienst schon in verschiedenen Druckereien in Augustusburg, in Grünhainichen und in Neuhausen, bevor sie in Zschopau ihren Alterssitz fanden.


Boston-Druckpresse von 1895, diese Maschine wird bei Führungen ebenfalls vorgeführt

Wer das Museum besucht, kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass er in die Zeit der vergangenen Jahrhundertwende zurückversetzt wurde. So muss eine Druckerei damals ausgesehen haben. Zu den Maschinen mit absolutem Seltenheitswert gehören beispielsweise eine Boston-Presse - Baujahr 1895 und eine Original Heidelberger Tiegel-Druckmaschine aus dem Jahre 1920, sowie eine Typograph-Bleisetzmaschine von 1918. Setzregale, gefüllt mit einer Fülle von Buchstaben verschiedenster Typen und historischen Klischees, sind eine ideale Ergänzung der alten Technik.


Original Holzsetzkasten mit Buchdruck-Klischees und Bleilettern ab 1890


Setzregal 1890 mit Blei-, Holz- und Messingschriften
und Kästen mit 40 verschiedenen Schriften

Anfang des Jahres 2000 wurde ein zweiter Raum renoviert, um weiteren Zeugen des Druckerhandwerks einen würdigen Platz zu geben. Somit stehen jetzt ca. 120 Quadratmeter Ausstellungsfläche zur Verfügung.
Durch die perfekt altertümlich renovierten Räumlichkeiten - mit historischer Steinmauer, Rundbogendecke und dezentem Licht - hat der Besucher wirklich den Eindruck direkt in die Entstehungszeit der Buchdruckgeschichte zurückversetzt worden sein.


Handabziehpresse (Nudel) mit Farbwalzen und ausziehbarem Farbtisch von 1912

Obwohl der Buchdruckermeister das Museum nicht regelmäßig betreuen kann, um den Besuchern die alte Technik nicht nur zu erläutern, sondern auch vor Ort vorzuführen, müssen Interessierte auf erklärende Worte nicht verzichten. Für einen Rundgang durch das museale Kleinod stehen die Mitarbeiter gern zur Verfügung. Auch Kinder und Jugendliche haben Gelegenheit, in Form von Projekttagen, so manches Wissenswerte über eine in früherer Zeit sehr geachtete Zunft zu erfahren.  


Bleilettern um 1900

Und vielleicht führen Veranstaltungen dieser Art auch dazu, dass eines Tages ein Traum von Manfred Schöne Realität wird. Er möchte nämlich vor allem auch junge Leute für die Arbeit im Buchdruck-Museum begeistern...

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